NABU-Gartentipp: Ist das Unkraut oder kann das weg? 28  |  20.04.2021 17:00

Wildkräuter als Insektennahrung, Nistplätze für bodenbrütende Arten schaffen: Der Nabu gibt Tipps für den Garten.

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Ist das Unkraut und muss deshalb bleiben? Beim Rundgang im Garten lassen sich viele Wildpflanzen entdecken, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch vielen Insekten Pollen und Nektar liefern. Vor dem schnellen Griff zum Unkrautstecher, um unerbetene Pflanzen mitsamt der Wurzel loszuwerden, lohnt sich deshalb ein Blick auf die nützlichen Seiten der Überraschungsgäste. Blühende Wildpflanzen, wie Löwenzahn, Giersch, Gänseblümchen, Wiesenklee, Akelei, Gundermann oder Brennnessel sind, je nach Art der Blüte, nicht nur bei Honigbienen, sondern auch bei Wildbienen aller Größen, Schmetterlingen oder Schwebfliegen beliebt. Sie werden von einigen Wildbienen auch als Schlafplätze genutzt. Die Holzbiene, Baden-Württembergs größte Wildbienenart, fliegt vor allem Schmetterlings- und Lippenblütler, wie Natternkopf oder Taubnessel, an. Scherenbienen sind im Vergleich dazu winzig und auf die Blüten von Glockenblumen und Hahnenfuß spezialisiert.
 
Kunterbunt statt eintönig grün - Artenvielfalt statt Rasen
Wer seinen Rasen liebt, muss viel für seine Pflege tun und wird dafür mit einheitlichem Grün belohnt. Doch wer braucht schon einen Golfrasen oder ein Fußballrasen-Quadrat hinterm Haus? Mehr Pflanzenvielfalt und damit mehr Nahrung für Insekten und Vögel bietet eine Grünfläche, die einfach mal sich selbst überlassen wird. Rasenmäher, Unkrautstecher und Vertikutierer dürfen dann im Schuppen bleiben und die blühende Natur lässt hoffentlich nicht lange auf sich warten. Darf der Rasen verwildern, wandern Löwenzahn, Ehrenpreis, Spitzwegerich oder Klee aus der Umgebung ein. Gibt es offene Bodenstellen, können bodenbrütende Wildbienenarten, wie Feldweg-Schmalbiene oder Gelbbindige Furchenbiene, einen Nistplatz finden. Im Übrigen spart mehr Laissez-faire auch Zeit, die man zum Beobachten der Natur nutzen kann. Außerdem trocknet der Boden in heißen Sommern nicht so schnell aus. Was man benötigt, ist etwas Geduld und man muss es aushalten, den Rasen nicht wöchentlich, sondern maximal drei Mal im Jahr zu mähen.
 
Aktiv nachhelfen und Wildblumenflecken und -wiesen einsäen
Mehr bunte Vielfalt lässt sich auch gezielt und schneller erschaffen - mit Wildblumenmischungen. Dafür wird an der gewünschten Stelle die oberste Rasenschicht samt Wurzeln entfernt und eine Saatgutmischung ausgebracht. Die dort entstehende Pflanzengemeinschaft besteht im Idealfall für viele Jahre oder Jahrzehnte. Blühen anfangs noch viele einjährige Pflanzen, wie Mohn, Leimkraut oder Lein, holen später mehrjährige Arten wie Wiesenglocken- oder Wiesenflockenblumen auf und die Fläche wird zum Lebensraum für viele Insekten und andere Tiere. Wildpflanzenflächen sind außerdem robust und können klimatische Stresszeiten, wie sehr heiße Sommer- oder Trockenperioden, gut überstehen. Nach Dürreperioden lassen im Boden schlummernde Samen mit geeigneten Temperaturen und Niederschlägen Flächen wieder erblühen. Bei der Wahl des Saatgutes sollte auf qualitätsvolle, regionale Mischungen geachtet werden.
 
pm/nabu