Wilhelmas neue Kooperation mit Inselstaat Palau 41  |  26.12.2020 14:00

Mit einer außergewöhnlichen Kooperation macht sich die Wilhelma daran, der einmaligen Pflanzenwelt eines Inselstaats in der Südsee das Überleben zu sichern.

Bilder

Der Zoologisch-Botanische Garten erneuert nach über hundert Jahren eine einst enge Forscherfreundschaft über 12.000 Kilometer: von Bad Cannstatt zu Palau. Fachkräfte der Wilhelma assistieren vor Ort bei der Katalogisierung von nur dort wachsenden Pflanzenarten und züchten in Stuttgart diese exotischen Gewächse aus Samen nach, die sie für die Kooperation mit Sondergenehmigung exportieren dürfen.
Direktor Dr. Thomas Kölpin: „Die seltenen Pflanzen werden nicht nur spannend anzusehen sein für die Besucherinnen und Besucher. Sie sind auch umweltpädagogisch wertvoll für die Wilhelma als außerschulischer Lernort. Und in einer Erhaltungssammlung können wir den einmaligen Ausschnitt der Flora für die Welt lebend bewahren.“
Das ist ein entscheidender Fortschritt gegenüber dem Ursprung des Stuttgarter Bezugs zu Palau. Da ging es ausschließlich um die Beschreibung der Pflanzen und so genannte Herbar-Belege, also getrocknete Samen sowie gepresste Blüten und Blätter, die das Naturkundemuseum archiviert hat. Augustin Krämer, gilt als der größte Gelehrte, was die Inselgruppe in Mikronesien betrifft.
Sie besteht aus 356 Inseln, hat jedoch mit 18.000 Einwohnern nur ein Viertel der Bevölkerung des Stuttgarter Stadtteils. Ab 1889 hatte Krämer als Marinearzt die Welt bereist und eine Leidenschaft für Zoologie, Botanik und Ethnologie entwickelt. Später als Leiter des Linden-Museums für Völkerkunde in Stuttgart und Gründer eines ethnologischen Instituts an der Universität Tübingen dokumentierte er Land und Leute, Tiere und Pflanzen Palaus für die Nachwelt, weil ihn das zunehmende Verschwinden der Inselkulturen sorgte.
Mit dem Nationalmuseum Belau und dem Palau Community-College hat die Wilhelma dauerhafte Partnerschaft geschlossen.
Während ihres dreimonatigen Forschungsaufenthalts auf Palau Anfang 2020 konnte Wilhelma Gärtnerin Jasmin Langhammer bereits von über 90 der Palau-Raritäten Samen zusammentragen. „Inzwischen habe ich 20 Arten davon zum Keimen gebracht“, sagt sie. Es bedeutet aber sicher sechs bis acht Jahre Arbeit, bis die Sammlung steht.“
Die 27-Jährige aus Weinstadt bringt dafür Begeisterung und Geduld mit. „Das beidseitige Engagement motiviert mich“, sagt Langhammer. Als wir Interesse an der Pflanzenwelt Palaus zeigten, waren die Einheimischen sehr angetan und kooperationsbereit.“
Aufschlussreich sei zudem, wie die Menschen mit dem Ökosystem umgehen und es nutzen. „Bei gesundheitlichen Beschwerden wissen sie genau, wo sie das passende Kraut finden, welches ihnen Linderung verschafft. Nur wenige Pflanzen werden wie in einem Kräutergarten unter riesigen Bäumen gezielt angepflanzt. Die größte Apotheke ist aber die Natur.“