Wer hat die schönsten Vogeleier? Neu  |  05.04.2021 09:00

Die bunte Welt der Brutvögel zeigt sich im Südwesten in vielfältigen Eierfarben und -formen.

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Viele liebevoll verzierte und bunt bemalte Eier schmücken an Ostern wieder die Gärten. Doch auch die Vogelwelt beherrscht die Eierfärbung. Vogeleier sind eine tolle Erfindung der Evolution. Sie sind stabil, wasserabweisend und so individuell, dass manche Vögel wie die Seeschwalben ihre Eier an der speziellen Färbung erkennen können. Die Eier sind rund, oval oder spitz sowie matt oder glänzend. Es gibt schlicht weiße wie bei Eulen und Spechten oder gut getarnte wie bei den Bodenbrütern, deren Eier in Brauntönen gefärbt und gefleckt sind. Und weil es so viele verschiedene Vogeleier gibt, beschäftigt sich die Oologie als wissenschaftlicher Zweig der Ornithologie mit der Eierkunde - nicht nur an Ostern (das ist kein Aprilscherz).
 
Von zwei Dritteln der weltweit ungefähr 12.000 Vogelarten kennt man die Nester und Eier, etwa 200 davon brüten regelmäßig im Südwesten. Viele Vogelarten machen nur eine Brut, kleinere Singvögel oder Schwalben auch zwei, selten drei. Ist das letzte Ei gelegt, kümmert sich meist das Weibchen ums Brüten. Während Hühner heute das ganze Jahr über Eier legen, geht es bei den Singvögeln im Land jetzt erst richtig los. Frühstarter sind die Spatzen, aber auch die Wanderfalken brüten schon und können per NABU-Webcam dabei beobachtet werden.
 
Wer legt die meisten Eier?
Die wohl meisten Eier legen Hühnervögel, wie zum Beispiel das Rebhuhn, mit bis zu 20 Eiern pro Gelege. Die Hühner gehören außerdem zu den Vogelarten, die bei Verlust des Geleges sogar mehrmals nachlegen können. Dass die Zahl des Rebhuhns trotzdem rasant abgestürzt ist, liegt vor allem am Verlust von Vielfalt in der Feldflur: Weil lückige Getreidebestände, Brachen, Ackerraine und Altgrasstreifen die intensive Bewirtschaftung stören und beseitigt wurden, fehlt ihnen Deckung und Futter. Bei den Singvögeln belegt die Blaumeise den Spitzenplatz beim Eierlegen mit bis zu 15 Eiern pro Gelege. Alle Vogeleltern müssen intensive Brutpflege betreiben, damit es mit dem Nachwuchs klappt. Ist das Nest gut geschützt und wurden die Eier stetig bebrütet, müssen bald ausreichend viele Insekten gefangen und verfüttert werden, bis die Jungen flügge sind.
 
Warum sind Vogeleier so verschieden?
Vogeleier erhalten ihre Farbe vor allem durch zwei Pigmente. Diese färben sie entweder gleichmäßig blau oder grünlichblau ein, wie die türkisen Eier der Singdrossel oder die blassblauen des Stars. Oder die Eier erhalten eine dünne Farbschicht von rot über braun bis schwarz, wie beim Wanderfalken-Ei. Durch das rötliche Pigment kann eine weiße Schale gelb oder rostbraun und eine blaue Schale grün oder olivfarben erscheinen. Außerdem ist das Pigment für die Schalenzeichnung verantwortlich und gibt dem Ei den letzten Schmiss, so bei der Goldammer, deren helle Eier durch filigrane schwarze Kritzelstriche verziert sind. Da eine Eischale aus mehreren Schichten besteht, können sich die Pigmente überlagern und so graue, purpurfarbene oder sogar blassviolette Schattierungen entstehen.
 
Wozu sind die Eier gefärbt?
Die Eierfarbe dient meist der Tarnung oder zur Abwehr von Fressfeinden. Die Eier des Flussregenpfeifers etwa sehen aus wie kleine Kieselsteine und verschwinden somit optisch. Auch der Kiebitz beherrscht die Eiertarnung perfekt. Sein Gelege wird quasi unsichtbar auf trockenen Wiesenhalmen. Zwar sind die Eier so gut vor Räubern geschützt. Doch weil sein Lebensraum, vor allem Feuchtwiesen, schwindet, brüteten bei der letzten Zählung im Südwesten nur noch 500 bis 700 Kiebitz-Paare, vor allem in der Rheinebene.
 
Von den in Deutschland verbreiteten Vögeln legt das Sommergoldhähnchen die kleinsten, der Höckerschwan die größten Eier. Im Vergleich zur Körpergröße ist jedoch das Ei des Zaunkönigs um ein vielfaches größer. Der kreativste Eierfabrikant ist sicherlich der Kuckuck: Das Weibchen ahmt in Grundfärbung und Fleckung die Eier des Wirtsvogels so exakt wie möglich nach. Dafür muss der Kuckuck einer Vogelart treu bleiben, dem er gekonnt das eigene Ei untermogelt. Allerdings sorgt der Klimawandel immer öfter dafür, dass der Kuckuck das Zeitfenster verpasst. Kehrt er dann zur gewohnten Zeit zurück, sitzt im Nest der Zieheltern bereits der eigene Nachwuchs und bettelt um Futter.
 
pm/Nabu