Streicheln tut Hund und Halter gut 20  |  06.11.2020 09:00

Streicheln ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Wichtig ist: Streicheln Sie Ihren Hund viel, aber nicht gedankenlos - sondern ganz bewusst.

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KUSCHELN JA GERNE: Aber nicht immer und auf keinen Fall gedankenlos. Das Streicheln ist wichtig für die Kommunikation zwischen Mensch und Tier. - da darf es keine Missverständnisse geben

KUSCHELN JA GERNE: Aber nicht immer und auf keinen Fall gedankenlos. Das Streicheln ist wichtig für die Kommunikation zwischen Mensch und Tier. - da darf es keine Missverständnisse geben

Foto: Fressnapf

Dass es uns einfach guttut, Hunde zu streicheln, ist bekannt. Der Körperkontakt baut Stress ab und kann sogar den Blutdruck senken.
 
Verantwortlich für dieses Wohlbefinden ist unter anderem das Kuschelhormon Oxytocin, das bei Berührungen und auch bei Blickkontakt zwischen Mensch und Hund auf beiden Seiten ausgeschüttet wird. Aber kann man auch Fehler beim Hundestreicheln machen?
 
Jeder Hund hat eigene Vorlieben beim Streicheln, doch gibt es einige Körperstellen, die fast alle Fellnasen mögen: Berührungen am Brustkorb, an der Körperseite und an der Schnauze entlang. Empfindlich sind dagegen viele Vierbeiner an Rute und Pfoten, vor allem, wenn sie es nicht gewohnt sind, dort angefasst zu werden. Auch Umarmungen mag nicht jeder Hund.
 
Fast noch wichtiger als die Tatsache, wo man einen Hund streichelt, ist die Frage, in welcher Situation man es am besten tut. Wenn Hunde in eine neue Umgebung kommen und darauf konzentriert sind, alles einzuordnen, wenn sie einen anderen Hund treffen, ins Spielen oder Schnüffeln vertieft sind, wollen sie nicht angefasst werden. Sie drehen dann den Kopf zur Seite oder gehen weg. Auch beim Fressen sollte man sie nie stören.
 
Bereits Welpen suchen engen Körperkontakt zu ihren Wurfgeschwistern und sind daran gewöhnt, von ihrer Mutter berührt zu werden. Körperliche Nähe ist sowohl bei Wölfen im Rudel als auch bei einander nahestehenden Hunden ein wichtiges Ritual, um die Stabilität des sozialen Gefüges zu sichern.
 
Starre Streichel-Regeln gibt es nicht; wichtig ist, dass jeder Hundehalter seinen Vierbeiner beobachtet und mit dessen Körpersprache vertraut ist: Dreht das Tier den Kopf zur Seite, duckt sich oder geht weg, möchte es nicht angefasst werden. Und das gilt es in jedem Fall zu akzeptieren.
 
Streicheln ist nicht nur für das Wohlbefinden von Menschen und Hunden gut, sondern kann auch gut bei der Hundeerziehung eingesetzt werden: zum Beispiel als Bestätigung, wenn der Hund nach dem Rufen angelaufen kommt. Ist der Hund aber aufgeregt, bellt jemanden an oder springt unerwünscht an einem hoch, sollte man ihn dagegen niemals streicheln.
 
Auch wenn ein Hundehalter alles richtig macht, muss er akzeptieren, dass es verschmuste und weniger verschmuste Hunde gibt – das kann einfach an seinem angeborenen Charakter liegen. Wenn der Hund sich in zurückzieht, bringt es nichts, ihn zu weiteren Streicheleinheiten aufzufordern. Im Gegenteil: Eine solche Aufdringlichkeit schadet eher dem Vertrauen zwischen Tier und Mensch.
 
Maßhalten sollte man bei Hunden, die ihren Halter stark bedrängen, weil sie gestreichelt werden wollen. Vielleicht spielt hier Eifersucht auf andere Haustiere oder Menschen eine Rolle. In jedem Fall versucht der Hund, den Halter zu manipulieren - und deshalb heißt es, stark zu bleiben und nicht auf jeden fordernden Wunsch einzugehen.
 
Anders verhält es sich in Angstsituationen, etwa bei Gewitter. Wenn sich Ihr Hund zitternd an Sie drückt, umfassen Sie ihn ruhig – aber streicheln und trösten Sie ihn nicht, sondern zeigen Sie nur Präsenz und Souveränität. Bei aller Theorie: Niemand kennt Ihren Hund so gut wie Sie, vertrauen Sie also auch auf Ihre Intuition. Dann tut das Streicheln ganz sicher Ihnen beiden gut.