Serie "Urlaub daheim". Unterwegs auf dem Holzweg bei Oggenhausen 113  |  17.07.2021 14:00

„Urlaub daheim“ – Die schönsten Wanderwege vor der eigenen Haustür. In fünf Folgen werden die schönsten Wanderwege in und um Heidenheim entdeckt. Heute: der Holzweg in Oggenhausen.

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Start und Ziel bei Königsbräu. Das klingt doch schon mal nicht so schlecht, schließlich winkt nach knapp fünf Kilometern Wanderung die Einkehr im Brauereigasthof König bzw. im vor einigen Jahren durch die Pächter Jessica und Florian Wörle gemeinsam mit Brauereichefin Christine Majer-Allgeier reaktivierten, direkt angrenzenden Königsgarten.
 
Doch das ist dann wirklich ein Thema für das Ende der Tour auf dem Holzweg bei Oggenhausen. Denn auch der hat definitiv einiges zu bieten. Als Rundwanderweg führt der Holzweg, der übrigens auf Initiative des Ortschaftsrats Oggenhausen entstanden ist, südlich des Heidenheimer Teilorts entlang von Streuobstwiesen und bewirtschafteten Feldern, aber auch teilweise durch den Wald, wo man wiederum manche überraschende Entdeckung machen kann.
 
Ein Familienwanderweg fast ohne Anstiege
 
Als klassischer Themenweg, der an insgesamt elf Stationen Einblicke in die Geschichte Oggenhausens gibt, kann der Holzweg, quasi von jedermann genutzt werden. Außer zu Beginn und am Ende kommt der Rundweg praktisch ohne nennenswerte Anstiege aus. Zumal die gesamte Strecke bis auf wenige Ausnahmen, etwa bei den Abstechern zur Schmaudersgrube und zur Bohnerzgrube, auch mit einem Kinderwagen bewältigt werden kann. Weitgehend ist man auf den 4,8 Kilometern auf Schotter- und Waldwegen, hin und wieder auf schmäleren Pfaden und nur innerorts auf Asphalt unterwegs.
Gerade die Themen an den elf Stationen sind auch ganz klar für Familien mit Kindern gedacht, kann man doch allerlei Wissenswertes zur Flora und Fauna rund um Oggenhausen erfahren – und nach dem Do-it-Yourself-Prinzip vieles auch ausprobieren: Vom Klangspiel der verschiedenen Holzarten bei der Franzoseneiche über das Würfelpuzzle bei der Feuchten Heide bis hin zum Geschicklichkeits-Spielplatz samt Riesen-Stuhl und Albliege gegen Ende der Tour hat jede Station immer noch etwas mehr zu bieten als die reine historische Information zu den vielen spannenden Themen.
 
Bunte Holzkatzen am Wegrand
 
Und das ist ohne Frage nicht gerade wenig. Selbst Kenner der Umgebung rund um Oggenhausen werden sicherlich noch einiges erfahren, was sie vorher nicht unbedingt wussten. Zügig nach dem Ortsausgang passiert man eine Streuobstwiese, am Wegesrand begegnen einem nun und auch später regelmäßig bunte Katzen – selbstverständlich aus Holz. Bemalt wurden diese von Kindern des Oggenhausener Kindergartens und der Schule. Die Tour – bei der Orientierung, dass man sich auf dem rechten Pfad befindet, hilft der in schöner Regelmäßigkeit angebrachte gelbe Ring – führt nun zum Magdalenenjauchert, der einst beim Bau der nahegelegenen Autobahn A7 (die man übrigens außer an dieser Stelle praktisch gar nicht hört) angelegt wurde. Wer genau hinschaut, erkennt bei genauerer Betrachtung, dass dort auch gleich mehrere Fischarten beheimatet sind.
 
Weiter geht’s auf geschottertem, aber leicht zu bewältigendem Weg zwischen Getreidefeldern hindurch zur Franzoseneiche. Schon von weitem sichtbar, beeindruckt der mehr als 300 Jahre alter Baum nicht nur durch seinen gewaltigen Stamm und die unglaublich dicken Äste – gerade die Kinder dürften beim Klangspiel mit verschiedenen Holzarten direkt neben der altehrwürdigen Eiche ihren Spaß haben. Nur einige Meter weiter ist man bereits angekommen bei einem Überbleibsel aus der Steinzeit – der sogenannten Feuchten Heide, einem Kalk-Magerrasen.
 
Absolut idyllisch – die Schmaudersgrube
 
Ab jetzt folgen viele Stationen im Wald – allen voran die beiden Gruben sind ohne Frage zwei weitere Highlights der Holzweg-Tour. Ein absolutes Idyll ist die Schmaudersgrube – und für zufällig vorbeikommende Wanderer sicherlich eine Überraschung. Der kleine Waldsee lädt geradezu ein zum etwas längeren Verweilen, aktuell ist der See großflächig mit den bekanntlich unter Naturschutz stehenden Seerosen bedeckt. Der kleine Trampelpfad rund um den See ist auch etwas stark zugewachsen – aber wen dies nicht stört, dem sei dessen Nutzung absolut zu empfehlen.
 
Von der einen Grube zur nächsten kommt man schnell über einen Naturforstweg zur Bohnerzgrube. Entstanden ist diese, wie auch die Schmaudersgrube, durch den Abbau von Bohnerz (ein Eisenerz). Aufgrund seines hohen Eisengehaltes konnte das Bohnerz später bei den Hüttenwerken in Königsbronn verhüttet werden. In einer dort aufgestellten Truhe kann man das rötliche Erz auch einmal aufnehmen und durch die Hände rieseln lassen. Mindestens genauso viel Spaß dürfte den Kindern aber auch die Suche nach Waldbewohnern mittels dort aufgestelltem Fernglas machen.
 
Auf der Albliege die Aussicht genießen
 
Und gerade für die Kids dürfte die nächste Station das eigentliche Highlight der Holzweg-Tour sein. Direkt am Waldrad befindet sich ein kleiner Spielplatz mit Balancierelementen, dazu ein Riesen-Stuhl, auf den zu Klettern auch für manchen Erwachsenen eine Herausforderung sein dürfte. Viel lieber dürfte darum manch einer genüsslich auf der dort aufgestellten Albliege Platz nehmen. In den vergangenen Monaten hat die Stadt Heidenheim vielerorts diese Liegen installieren lassen – damit Wanderer schön bequem die Aussicht, wie in diesem Fall auf Oggenhausen, genießen können.
 
Dass der Großteil des Holzwegs nun bereits zurückgelegt wurde, wird schon deshalb deutlich, dass man ab sofort wieder auf Oggenhausen zuwandert. Station gemacht wird zunächst noch beim Biotop Steinriegel, wo man neben der namensgebenden Sammlung von Steinen auch noch ein Insektenhotel und den Emil-Bohnet-Gedächtnisbaum vorfindet. Am Dorfrand, umgeben von Bäumen, befindet sich dann mit dem Spielplatz Weiherstraße eine weitere Attraktion für die Kinder – zumindest, wenn die Erwachsenen diesen noch Zeit lassen und nicht schon wieder bergauf in Richtung Dorfmitte streben, wo das Ende der Holzweg-Tour allmählich näher rückt.
 
Einkehren im König oder in der Traube
 
Denn nun geht es auf dem sogenannten Hochzeitsweg, vorbei an der evangelischen Kirche, hin zum Unteren Schloss mitsamt Dorfplatz. In dessen Mitte befindet sich der Erzknappenbrunnen – so etwas wie eines der bekanntesten Symbole Oggenhausens. Da aber spätestens jetzt der Hunger und Durst bei allen Wanderern groß sein dürfte und man dort aus schon in den Königsgarten blicken kann, dürften die letzten Meter des Hochzeitsweges hin zum Ausgangspunkt vor dem Brauereigasthof von allen besonders schnell zurückgelegt werden.
 
Oder man schaut schnell im Landgasthof Traube vorbei, der auch nur wenige Meter vom Dorfplatz entfernt ist. Denn obwohl der Heidenheimer Teilort nur knapp 1400 Einwohner hat, kann Oggenhausen mit gleich zwei herausragenden Küchen punkten. Mathias Ostertag
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