Nabu-Tipp: Was man beim Weihnachtsbaumkauf beachten sollte 36  |  19.12.2020 11:00

Der Nabu empfiehlt beim Kauf eines Weihnachtsbaumes auf kurze Transportwege, regionalen Anbau und Ökolabel zu achten.

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Mit Beginn der Adventszeit kommt der Verkauf von Weihnachtsbäumen auch in Baden-Württemberg wieder voll in Gang. Denn für viele ist der festlich geschmückte Christbaum der Inbegriff der Feiertage. So werden in den nächsten knapp drei Wochen in Deutschland rund 30 Millionen junge Fichten und Tannen gekauft. Leider sind viele Weihnachtsbäume alles andere als nachhaltig. Die Zeiten, als Weihnachtsbäume noch als Abfallprodukt heimischer Forstwirtschaft anfielen, sind schon seit den 50er Jahren vorbei. "Mehr als 80 Prozent der verkauften Gehölze stammen heute aus Weihnachtsbaumplantagen in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird. Eingesetzt werden Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger für einen gleichmäßigen Wuchs und eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln", gibt NABU-Landeschef Johannes Enssle zu Bedenken. Ist das Fest ohne Weihnachtsbaum undenkbar, empfiehlt der NABU deshalb den Kauf von Fichten, Kiefern oder Tannen aus Durchforstung oder aus Weihnachtsbaum-Kulturen, die nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden.
 
Giftfrei und regional
Wer Wert auf giftfreie Bäume in der guten Stube legt, kann zu einem der leider noch seltenen Weihnachtsbäume mit Siegel greifen: "Die Siegel von Naturland, Bioland, Demeter oder des Forest Stewardship Council (FSC) geben Verbraucherinnen und Verbrauchern Orientierung. Mit diesem Kauf unterstützen sie den giftfreien Anbau von Weihnachtsbäumen im Südwesten", sagt Enssle. Denn ein Siegel garantiere, dass die zur Neupflanzung vorgesehenen Flächen für Weihnachtsbaum-Kulturen nicht mit Herbiziden kahlgespritzt, sondern mechanisch vom Aufwuchs befreit werden - häufig mit Schafen als umweltfreundlichen Rasenmähern.
 
Einen Überblick über lokale Anbieter nach Regionen gibt seit Jahren die Waldschutzorganisation Robin Wood: Bio-Weihnachtsbäume werden aktuell in Baden-Württemberg an 126 Verkaufsstellen angeboten, darunter sind die meisten großen Städte im Südwesten, wie Mannheim, Heidelberg oder Freiburg vertreten. Auch Baumärkte bieten Ökobäume in geringer Stückzahl an. Zertifizierte Anbieter gibt es auch auf der Schwäbischen Alb, in Oberschwaben, am Bodensee und im Großraum Stuttgart
 
Bäume aus Durchforstung: Vom Wald ins Wohnzimmer
Eine weitere Möglichkeit sieht der NABU in Fichten, Kiefern und Weißtannen aus Durchforstungsmaßnahmen oder von forstlichen Sonderstandorten, etwa unter Hochspannungstrassen. Diese Bäume sind meist unbehandelt und müssen ohnehin gefällt werden. Durchforstungsbäume sind über einige Forstämter im Land erhältlich. "Mit einem Baum aus Ökoanbau oder Durchforstung besteht auch keine Gefahr, dass ausgedünstete Pestizide die Raumluft belasten während der Feiertage", so Enssle. Es ist jedoch darauf zu achten, nicht zu lange Transportwege zurückzulegen. Denn die Umweltbilanz eines unbehandelten Weihnachtsbaums, den man extra mit dem Auto aus einem zwanzig Kilometer entfernten Wald holt, fällt deutlich negativ aus.
 
An die Weihnachtsbaum-Produzenten appelliert der NABU Baden-Württemberg, künftig stärker auf ökologische Kriterien zu achten. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können diese dabei unterstützen, indem sie ihre eigenen Ansprüche überdenken: "Natürlich statt perfekt sollte das Ziel sein, einen makellosen Weihnachtsbaum gibt es kaum ohne chemische Sonderbehandlung", mahnt Enssle. Vielleicht reiche auch manchmal ein deutlich kleineres Exemplar oder ein schön geschmückter Zweig schon aus.
 
Bäumchen im Topf - eine ausdauernde Alternative
Eine Alternative zum geschlagenen Baum sind solche mit Wurzelballen. Zehn bis zwölf Prozent der Christbäume werden im Topf gekauft, so die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Bevor der Weihnachtsbaum von Terrasse oder Balkon für die Feiertage ins warme Wohnzimmer umzieht, sollte er sich in Keller oder Garage akklimatisieren, damit er den Besuch gut übersteht. "Wer ihn alle zwei Tage über eine Schale von unten gießt und hell stellt, schafft gute Überlebenschancen. Der Ausflug ins Warme sollte nur kurz dauern, damit der Baum nicht mitten im Winter frisch treibt. Nach dem Auszug muss der Ballen für einige Zeit vor Frost geschützt werden", empfiehlt Enssle. Ein neuer Großstadttrend sind gemietete Weihnachtsbäume im Topf. Auch hier muss allerdings bedacht werden, dass die Bäume meist aus belasteten Monokulturen stammen und zum Teil beachtliche Transportstrecken zurücklegen.
 
Für viele Deutsche stellt auch ein Baum aus Plastik eine bequeme Alternative zum "Wegwerfbaum" dar. Er nadelt nicht und nach den Feiertagen kann er, zusammen mit Kugeln, Lichterkette und Baumspitze, für das nächste Jahr im Keller verstaut werden. Von diesen Plastikversionen rät Enssle aber entschieden ab: "Mit Plastikmüll haben wir ja wirklich genug Sorgen. Muss es da auch noch ein Baum aus Plastik sein?". Meist haben die Plastikbäume auch einen langen Transportweg hinter sich, der Energieverbrauch bei der Produktion fällt ins Gewicht und nicht zuletzt können sie Schadstoffe freisetzen.
 
Um eine Verwertung der echten Weihnachtsbäume zu ermöglichen, sollte man auf Schnee- oder Glitzersprays verzichten. Der Glitzer besteht häufig aus PET, das dann als Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Außerdem können Tannen mit Glitzerspray nicht kompostiert werden.
 
pm/nabu