Maike Wagners "Wort" 25  |  20.02.2021 14:00

Woche für Woche richtet sich WZ-Teamleiterin Maike Wagner in ihrem "Wort" an die Leser, um auf Missstände hinzuweisen, aber auch um über schöne Erlebnisse zu berichten.

Bilder
Maike Wagner

Maike Wagner

Foto: Wochenzeitung

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde und Inserenten,
 
diese Woche habe ich für eine liebe Person ein Foto aus vergangenen Jahren in meinem Archiv gesucht - ein lieber Freund der Familie verstarb überraschend. Ich habe hunderte Bilder betrachtet und fast jedes war ein persönliches Geschenk an mich. Ein freundliches und vielfach wohlwollendes Lachen für die Kamera der WochenZeitung. Ich dachte mir WOW, so viel Freundlichkeit und Leichtigkeit - Freude am Geschehen.
 
Zugleich wurde mir aber knallhart klar, was mir persönlich so fehlt in diesen Corona Wochen und Monaten. Sie liebe Kunden und Leser, die wir uns spontan und überraschend im Alltag sehen, auf Festen, in der Stadt, etc. - immer für einen Schnappschuss bereit. Das trifft einen besonders hat, wenn wir in diesen Zeiten um die Gesundheit eines lieben Menschen bangen, den wir sozusagen an der Pforte des Krankenhause für die ZNA (Einweisung in die zentrale Notaufnahme) abgeben müssen. Der Mitarbeiter der Security schirmt einem ab. Lapidar und unüberlegt wird man nach Hause geschickt, der wir schon nicht umfallen, sagt einem die Mitarbeiterin an der Zentrale. Eine Ferndiagnose von nicht qualifizierter Hand. Der Security begleitet, ich darf nicht mit.
 
Wer nun aus Angst lieber wartet, steht Stunden da, man muss es nicht aber man möchte im Notfall doch da sein. Sitzen auf den Sitzen im Foyer darf ich nicht. Also stehe ich zweidreiviertel Stunden im Bereich der Ausgangstüre, draußen war minus 6 Grad oder sitze auf der Heizung. Die Sorgen werden größer, ich bin den Tränen nah und mein ganzer Körper schlottert vor Kälte. Als ich weinend bei der Dame an der Zentrale nachfrage bekomme ich eine Verbindung in die ZNA. Die Krankenschwester ist sehr nett, darf aber keine Auskunft geben. Ich soll später anrufen. Ich bin um ca. 13 Uhr gekommen und um 19 Uhr habe ich dann Bescheid gewusst. Seither frage ich mich "Was wäre wenn und war das alles so in Ordnung".
 
Jedenfalls war das keine vertrauensvolle Erfahrung. Wie ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie mir maike.wagner@hz.de Bleiben Sie rücksichtsvoll und gesund.
 
Ihre Maike Wagner-Dittrich