Maike Wagners Wort: Eine Notfall-OP rettet Mutter und ungeborenes Kind 187  |  28.05.2021 14:00

Woche für Woche richtet WZ-Teamleiterin Maike Wagner in ihrem Wort an die Leser.

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Foto: Privat

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde und Inserenten,
 
es ist ein Albtraum für alle werdenden Eltern: der errechnete Geburtstermin steht kurz bevor und wie aus dem Nichts ist plötzlich das Leben von Mutter und Kind bedroht.
 
Diese Erfahrung musste Bianca Ringeis am 9. Mai machen: Nachts klagt die 32-Jährige, die im 9. Monat schwanger war, plötzlich über extreme Schmerzen im oberen Rückenbereich und wird ins Universitätsklinikum Ulm (UKU) eingewiesen. Dort stellt sich heraus: die junge Frau leidet an einer Aortendissektion, also einem lebensbedrohlichen Einriss der Hauptschlagader. ^
 
Durch die hervorragende Zusammenarbeit von Spezialist*innen, unter anderem aus der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie und der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin, konnte das Leben von Mutter und Kind gerettet werden. In einer gemeinsamen Not-Operation holte das Team zuerst per Kaiserschnitt ein gesundes Mädchen auf die Welt und führte dann einen lebensrettenden herzchirurgischen Eingriff durch. Bereits zehn Tage nach der Operation konnte Bianca Ringeis das UKU nun gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter verlassen.
 
Bei einer akuten Aortendissektion reißt, meist ohne Vorwarnung, die Innenwand der Hauptschlagader unmittelbar am Herzen ein und löst sich zunehmend ab. Durch das einströmende Blut können Gefäße zu lebenswichtigen Organen wie dem Gehirn verschlossen werden, was ohne Behandlung binnen Stunden zum Tod führt. Zusätzlich kann das Herz durch eine Ansammlung von Blut im Herzbeutel zusammengedrückt werden, was ein tödliches Herz-Kreislauf Versagen hervorruft.
 
"Die Aortendissektion ist einer der dringlichsten Notfälle in der Herzchirurgie. Hier zählt jede Minute, denn die einzig mögliche Behandlung ist eine Operation am offenen Herzen in einer spezialisierten Herzklinik, wie wir sie hier am Universitätsklinikum Ulm vorweisen können", erklärt Prof. Dr. Andreas Liebold, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. "Wir behandeln an unserer Klinik circa 50 Aortendissektionen im Jahr. Hochschwangere Patientinnen wie Frau Ringeis sind jedoch eine Seltenheit und eine besondere Herausforderung."
 
Prof. Dr. Wolfgang Janni, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, ergänzt: "Durch eine Aortendissektion kann die Blutzufuhr zur Gebärmutter unterbrochen werden, was zwangsläufig zum Tod des Kindes führt. Daher steht bei einem solchen Notfall nicht nur das Leben der Mutter, sondern auch das des ungeborenen Babys auf dem Spiel."
 
Bianca Ringeis erlitt die Aortendissektion mitten in der Nacht: "Ich bin mit unerträglichen Schmerzen im Rücken aufgewacht, hatte Atemnot und musste mich sofort übergeben. Der Rettungswagen hat mich dann zuerst in die Donauklinik gebracht, wo ein CT durchgeführt wurde. Als das Ergebnis feststand, wurde ich gleich in die Uniklinik verlegt und musste dort sofort operiert werden", berichtet die 32-Jährige, die sich zu diesem Zeitpunkt in der 39. Schwangerschaftswoche befand.
 
Diese beispiellose Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche am Universitätsklinikum Ulm rettete Mutter und Kind das Leben.
 
Bleiben Sie gesund und positiv.
Ihre Maike Wagner-Dittrich