Fehlsichtigkeit: Kinder sitzen zu lange vor dem Bildschirm 22  |  07.02.2021 09:00

Das Kinder und Jugendliche zu oft und zu lang auf Bildschirme starren, hat eine Umfrage der AOK zu Tage gebracht. Unterricht per Computer von zu Hause erhöht die Zeit vor dem Bildschirm zusätzlich. Die AOK Ostwürttemberg rät zu Ausgleichmaßnahmen, um Fehlsichtigkeit zu verhindern.

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In einer von der AOK in Auftrag gegebenen Forsa-Studie wurden im November 2019 - zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Corona-Pandemie und sogenanntes Homeschooling - Eltern zum Medienkonsum ihrer Kinder befragt. Demnach sitzen in Baden-Württemberg 40 Prozent der 15- bis 18-Jährigen wochentags drei Stunden oder länger vor Fernsehen, Smartphone oder Laptop. Am Wochenende sind es 70 Prozent. Bei den 4- bis 9-Jährigen sagen immerhin 20 Prozent der Eltern, dass ihre Kinder unter der Woche länger als eine Stunde vor einem Monitor verbringen.
 
Parallel nimmt seit Jahren die Fehlsichtigkeit bei Kindern deutlich zu. Im Jahr 2019 zählt die AOK Ostwürttemberg unter ihren Versicherten bis 12 Jahre im Landkreis Heidenheim 1.494 Kinder, die wegen Sehstörungen und Fehlsichtigkeit in ärztlicher Behandlung waren. Vier Jahre zuvor waren dies noch rund 200 Kinder weniger. Das entspricht einem Anteil von 20 Prozent an allen Versicherten in der Altersgruppe im Ostalbkreis. In Baden-Württemberg litt etwa jedes fünfte Kind bis zum Alter von 12 Jahren an einer Sehstörung.
 
Unter dem Einfluss der Corona-Pandemie dürften sich die Zahlen weiter erhöhen. "Heute haben die Schulen geschlossen, das Kinderzimmer wird zum Klassenzimmer", berichtet Jens Christ, der bei der AOK Ostwürttemberg für die Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen zuständig ist. Er ist davon überzeugt, dass dies helfen wird, die Infektionskette zu unterbrechen. "Allerdings sollten Eltern im Homeschooling darauf achten, dass die Kinder nicht zu viel Zeit vor dem Laptop oder dem Smartphone verbringen. Der AOK-Mediziner Hans-Peter Zipp ergänzt: "Ab zwei Stunden täglich führen Bildschirmarbeit und Videospiele zu einer Ermüdung der Augen. Augenbeschwerden, Fehlsichtigkeit und Kopfschmerzen sind die Folge."
 
Heute gehen Mediziner davon aus, dass die Veranlagung, eine Fehlsichtigkeit zu entwickeln, vererbbar ist. "Ist entweder Mutter oder Vater kurzsichtig, hat der Nachwuchs ein dreimal höheres Risiko, selbst kurzsichtig zu werden, als bei nichtkurzsichtigen Eltern. Sind beide Elternteile von einer Myopie betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit sogar sechsmal so hoch, dass das Kind kurzsichtig wird", erklärt Zipp. Die gute Nachricht: Baufehler der Augen, Sehschwächen und Fehlsichtigkeit lassen sich in der Regel behandeln und mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren. "Wichtig ist, Auffälligkeiten rechtzeitig zu entdecken und vom Augenarzt untersuchen zu lassen. Je früher, desto besser".
 
Bei der Forsa-Umfrage beantworteten die Eltern die Frage, "Wie lange halten sich die Kinder im Freien auf?" so: Acht Prozent geben an, dass die Kinder weniger als eine halbe Stunde an der frischen Luft sind. Gut jeder fünfte Befragte erklärt, dass sein Kind in der Freizeit keinen Sport treibt. Und auch die Antworten zu gesundheitlichen Beschwerden oder Verhaltensauffälligkeiten sind interessant: 14 Prozent der Eltern haben beobachtet, dass ihre Kinder Probleme haben sich zu konzentrieren, 13 Prozent sind davon überzeugt, dass sie sich ungesund ernähren, elf Prozent haben Schlafstörungen, weitere zehn Prozent klagen über Kurzsichtigkeit.
 
Die AOK-Experten Jens Christ und Hans-Peter Zipp warnen davor, dass häufige Mediennutzung eine gesunde Entwicklung im Kindesalter gefährden kann.
 
"Die Chancen, die online Medien heute bieten, sind großartig", resümiert Christ, "wenn wir aber Kinder vor Kurzsichtigkeit schützen möchten, dann sollten Nutzungszeiten abgesprochen und eingehalten werden. Außerdem sollte für ein Ausgleich gesorgt werden. Das Kind sollte jeden Tag vor die Tür an die frische Luft. Mit Blick auf die Augen ist es sehr wichtig, dass das Kind viel öfters in die Ferne schaut, damit die Augen entspannen können. Auch Bewegung senkt das Risiko, dass eine Kurzsichtigkeit entsteht oder sich stark ausbildet", so Christ.
 
pm/AOK