Die Schlange mit dem Zickzackmuster 87  |  22.07.2021 14:00

Die Kreuzotter ist auf dem Rückzug. Der Nabu mahnt, die Lebensräume der seltenen Giftschlange und auch ihrer ungiftigen Verwandten besser zu schützen.

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ES SIEHT DÜSTER AUS FÜR DIE KREUZOTTER: Vielerorts sind die Bestände völlig erloschen, die wenigen noch bestehenden Reviere sind oft durch Baumaßnahmen gefährdet.

ES SIEHT DÜSTER AUS FÜR DIE KREUZOTTER: Vielerorts sind die Bestände völlig erloschen, die wenigen noch bestehenden Reviere sind oft durch Baumaßnahmen gefährdet.

Foto: Nabu/Hubert Laufer

Die seltene Giftschlange mit dem typischen Zickzackmuster auf grauem oder braunem Körper verliert seit Jahrzehnten geeignete Lebensräume. Bei Streifzügen durch ihre einstigen Reviere auf der Alb, in Oberschwaben, im Allgäu oder im Schwarzwald sieht man sie immer seltener. „Im Nordschwarzwald, wo sich die Schlange vergleichsweise gut halten konnte, sind die Bestände um etwa 90 Prozent eingebrochen“, schätzt der Nabu-Fachbeauftragte für Reptilien Hubert Laufer. In anderen Gebieten des Landes sieht es noch düsterer aus: Vielerorts sind die Reviere erloschen oder durch Baumaßnahmen gefährdet.
 
Sensibelchen sucht ungestörte Lebensräume
Die störungssensible Kreuzotter bewohnt komplexe Biotope und braucht eine Vielzahl an Strukturen mit Verstecken, feuchten Stellen und Zwergsträuchern. „Weil einst unberührte Naturräume immer stärker genutzt werden, fehlt es an störungsfreien Gebieten mit Versteckmöglichkeiten, Sonnenplätzen, frostsicheren Überwinterungsplätzen und genügend Nahrung“, so der Experte. „Dass wir die Kreuzotter verlieren, liegt vor allem an der Zerstörung ihres Lebensraums. Feuchtere Bereiche sind verschwunden, eine zu intensive Nutzung oder Pflege setzt ihr zu.“ Der Klimawandel beschleunigt den Schwund der Kreuzotter, der es vor allem in den trockenen Lebensräumen schnell zu warm und zu trocken wird.
 
Giftig oder nicht? Schau mir in die Augen!
„Schlangen sind scheu. Sie können zwar nicht hören, suchen bei Bodenerschütterungen aber meist schnell das Weite. Wer auf eine Schlange trifft, sollte Ruhe bewahren und dem Tier die Flucht ermöglichen. Sollte eine giftige Schlange sich bedroht fühlen und ausnahmsweise beißen, muss man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen“, rät Laufer. Ein Blick in die Augen – sofern möglich – verrät, ob das Tier giftig ist. Während ungiftige Schlangen runde Pupillen haben, verfügen die giftigen über senkrechte Pupillenschlitze.
 
Was kann man für die Kreuzotter tun?
„Wir können nur schützen, was wir kennen, dafür sollten Lebensräume und Bestände erfasst werden. Wenn Sie eine Kreuzotter sehen, freuen Sie sich und machen Sie daher ein Foto. Senden Sie uns dieses Bild mit dem Fundort der Schlange“, bittet der Schlangenexperte, die Mail-Adresse lautet hubert.laufer@nabu-bw.de.
 
Wer ein Waldgrundstück besitzt, kann Kreuzottern unterstützen, indem entlang der Wege aufgelichtet wird, um Sonnenplätze zu schaffen. Im Offenland sollte Altgras an Gehölzrändern stehen bleiben. Auch Zwergsträucher wie Heidelbeere und Erika bilden wichtige Strukturen. Ein weiterer Tipp: „Legen Sie Gewässer an, denn damit bieten Sie der Kreuzotter eine bessere Nahrungsgrundlage, weil sie dort Grasfrösche jagen kann, und eine höhere Luftfeuchte. Auch Reisig- oder Steinhaufen als Verstecke sind wichtig.“
 
Im Ländle sind sechs Schlangenarten heimisch
Die Kreuzotter ist eine von sechs in Baden-Württemberg vorkommenden Schlangen, hinzu kommen Östliche Ringelnatter, Barren-Ringelnatter, Äskulapnatter und die ebenfalls giftige Aspisviper, die vom Aussterben bedroht ist und nur noch im südlichen Schwarzwald in zwei Tälern mit ausgedehnten Felsgebieten und Geröllhalden vorkommt. Die Kreuzotter wird häufig mit der ungiftigen, aber ähnlich gemusterten Schlingnatter verwechselt, der kleinsten Natter im Land. PM/Nabu