Das ist die Wildbiene des Jahres 24  |  27.01.2021 09:00

Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) ist die Wildbiene des Jahres 2021.

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Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat eine Biene gewählt, deren Männchen sich durch enorm lange Antennen auszeichnen und die sich im Frühling sehr auffällig benehmen: Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) ist etwas größer als die Honigbiene, wirkt ein wenig plump und ist pelzig orange-braun behaart.
 
Die Wildbiene des Jahres hat besondere Ansprüche an ihre Nahrungspflanzen, denn sie besucht ausschließlich Schmetterlingsblütler. Das ist bei uns vor allem die Zaunwicke, die zur Flugzeit der Mai-Langhornbiene in Wiesen, an Wegrändern und Waldsäumen blüht, sowie Klee in seinen verschiedenen Variationen. „Wir freuen uns jetzt schon auf das Frühjahr, wenn die Wildbiene des Jahres für eine interessante Flugshow sorgt“, sagt Nabu-Artenschutzreferent Martin Klatt.
 
Ab Mitte April bis Anfang Mai lassen sich die Männchen der Mai-Langhornbiene beobachten, wie sie in rasantem Flug bevorzugt an Beständen der Zaunwicke patrouillieren und auf das Erscheinen der Weibchen warten. Dabei folgen sie stets den Flugbahnen, die von ihnen selbst durch Duftmarken festgelegt wurden.
 
Das Nest legen die Weibchen in der Erde an vegetationsfreien oder nur spärlich bewachsenen Stellen mit lehmigen oder sandigen Böden an. Die Weibchen häufen im hinteren Teil der Brutkammern den Pollenvorrat einfach an und formen ihn nicht - wie bei anderen Wildbienen üblich - zu einer Kugel. Nach Fertigstellung der Nester stirbt das Weibchen etwa Mitte Juni.
 
Der Schlüssel für das Vorkommen der Mai-Langhornbiene sind ergiebige Bestände der Zaunwicke. Diese Pflanze ist zwar nicht gefährdet, doch musste vielfältiges Grünland hierzulande seit vielen Jahrzehnten einer stetig intensivierten Landwirtschaft weichen. Das blieb auch für vermeintlich „robuste“ Arten wie Eucera nigrescens nicht ohne negative Folgen.
 
Noch ist die Wildbiene des Jahres bundesweit betrachtet nicht gefährdet, doch wird sie in einigen Bundesländern auf der Roten Liste geführt. In Nordrhein-Westfalen gilt sie als gefährdet, in Sachsen als vom Aussterben bedroht, in Berlin ist die Art ausgestorben. Die Perspektiven sind also nicht gut, was eng mit dem mangelnden Angebot blütenreicher Wiesen zusammenhängt.
 
Das Anlegen blütenreichen Grünlandes, am besten mit Saatgut intakter Wiesen der Region, ist zur Förderung der Art ein guter Weg. In der Ackerflur liefern geeignete Blühmischungen mit hohem Anteil heimischer Schmetterlingsblütler eine Verbesserung des Nahrungsangebotes. Zum Schutz der Bodennester sollten die Flächen dort unbedingt mehrjährig bestehen. Zudem sind der Bestandsschutz verbliebener Wiesen und deren schonende Bewirtschaftung mit einem ersten Schnitt nicht vor Anfang Juni das Gebot der Stunde.
 
Auch Gärten und öffentliche Grünflächen bieten Möglichkeiten, Lebensräume für Eucera nigrescens zu schaffen: Es kommt auf das Angebot passender Nahrungspflanzen und offener Bodenstellen zur Nestanlage an. Der Mai-Langhornbiene kann also auch in unserem unmittelbaren Wohnumfeld wirksam geholfen werden.