Das ist der Vogel des Jahres 2022

Nabu 73

Mehr als 45.000 Menschen stimmten bei der großen Nabu-Mitmachaktion für den auffälligsten Kandidaten zum Vogel des Jahres 2022.

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EIN ÜBERAUS AUFFÄLLIGER GESELLE: Der mit seiner Federhaube und den schwarzweiß gestreiften Flügeln unverwechselbare Wiedehopf (Upopa epops) ist der Vogel des Jahres 2022.

EIN ÜBERAUS AUFFÄLLIGER GESELLE: Der mit seiner Federhaube und den schwarzweiß gestreiften Flügeln unverwechselbare Wiedehopf (Upopa epops) ist der Vogel des Jahres 2022.

Foto: Nabu/Thomas Hinsche

Bunt, auffällig und bekannt aus Kindertagen: Der Wiedehopf (Upupa epops) ist Vogel des Jahres 2022. Bei der zweiten öffentlichen Wahl des Jahresvogels von NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) hat er sich mit 45 523 Stimmen und 31,9 Prozent an die Spitze gesetzt - insgesamt haben fast 143 000 Menschen abgestimmt. Der lustige Gesell löst das Rotkehlchen ab, das 2021 als erster Jahresvogel öffentlich von allen Menschen in Deutschland gewählt wurde.
 
„Der Wiedehopf hat die Herzen der Menschen auch im Südwesten gewonnen. Mit seinem orangeroten Gefieder und seiner markanten Federhaube ist er unverwechselbar. Viele Wähler haben sich sicherlich auch mit seinem Wahlslogan ,Gift ist keine Lösung‘ identifiziert“, sagt Nabu-Vogelschutzexperte Stefan Bosch. Zur Erklärung: Der Wiedehopf benötigt halboffene bis offene Landschaften, die reich an großen Insekten sind. Aber diese Insekten gibt es aber nur ohne Pestizideinsatz.
 
Mehlschwalbe auf Platz zwei vor dem Bluthänfling
Auf Platz zwei landete die Mehlschwalbe mit immerhin 34 773 Stimmen (24,4 Prozent), gefolgt vom Bluthänfling als Drittplatziertem mit 28 442 Stimmen (19,9 Prozent). Platz vier und fünf gingen an Feldsperling mit 23 259 Stimmen (16,3 Prozent) und Steinschmätzer mit 10 801 Stimmen (7,6 Prozent).
 
In Baden-Württemberg ist der wärmeliebende Wiedehopf am Kaiserstuhl, im Markgräfler Land und im Tauberland zuhause. Weil es an natürlichen Baumhöhlen fehlt, wird er durch Nisthilfen auch von mehreren Nabu-Gruppen aktiv beim Brüten unterstützt. Wohl fühlt er sich in mosaikartigen Landschaften, etwa in Streuobstwiesen, baumbestandenen Viehweiden, Weinberglagen und Schrebergärten. Hier jagt er nach großen Insekten wie Maulwurfsgrillen und ihren Larven, er frisst aber auch gerne Käfer, Heuschrecken und Schmetterlingsraupen, und es darf auch mal eine Spinne oder kleine Eidechse sein. Als Zugvogel verbringt er den Winter in Afrika – und verpasst so seine Siegerehrung.
 
Bekannt von Redewendungen und von alten Kinderliedern
Der wissenschaftliche Gattungsname „Upupa“ ist eine Nachahmung des Klangs seines dreisilbigen „Upupup“-Balzrufes. Viele Menschen dürften den neuen Jahresvogel aus der „Vogelhochzeit“ von Hoffmann von Fallersleben kennen: In dem Kinderlied bringt der Wiedehopf „der Braut den Blumentopf“. Mancher kennt vielleicht auch die Redewendung „Du stinkst wie ein Wiedehopf“. Sie kommt daher, weil Weibchen und Jungvögel mit einem stark riechenden Sekret Feinde vom Nest vertreiben.
 
Zwar entwickelt sich die Population am südlichen Oberrhein leicht positiv, insgesamt ist der Bestand im Südwesten und in ganz Deutschland auf einen kleinen Rest geschrumpft und gefährdet. „Es fehlt an geeigneten Lebensräumen. In Baden-Württemberg war der Wiedehopf bis in die 1950er Jahre weit verbreitet, heute leben geschätzt noch 110 bis 210 Brutpaare im Südwesten. Bundesweit sind es zurzeit 800 bis 950“, sagt Bosch.
 
Das Verbreitungsgebiet des wärmeliebenden Vogels verschiebt sich zugleich gen Nordeuropa, was ein klares Anzeichen des Klimawandels ist. Dafür verschwindet er zunehmend aus anderen Regionen.
 
Info: www.vogeldesjahres.de.