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WZ-Ortsgespräch: mit Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek

Im Ortsgespräch mit der Wochenzeitung spricht Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek über die Gemeinde in Corona Zeiten, aber

WZ: Herr Polaschek, wie geht es der Gemeinde Gerstetten in Coronazeiten? Wie nehmen es die Bürgerinnen und Bürger auf?
Roland Polaschek: Ich erlebe die Bürgerinnen und Bürger als sehr diszipliniert im Umgang mit den Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Die zahlreichen Ehrenamtlichen in Vereinen, Kirchen, Organisationen und Institutionen versuchen nun wieder im Rahmen der Möglichkeiten Aktivitäten anzubieten.
Gab es seither Veränderungen innerhalb der Gewerbestruktur in der Gemeinde?
Zwar hat der Lockdown und die unklare wirtschaftliche Lage auch die Firmen und die Gewerbetreibenden in Gerstetten hart getroffen, aber Insolvenz oder die Schließung von Betrieben oder Geschäften aufgrund der Corona-Pandemie sind mir, zum Glück,nicht bekannt.
Wie ging die Wirtschaft am Ort damit um?
Nach dem anfänglichen Schock des Lockdown und der verordneten Schließung von Geschäften und der Gastronomie haben viele Gewerbetreibende schnell einen Lieferservice etabliert um weiterhin Waren und Dienstleistungen anbieten zu können. Inzwischen, so ist jedenfalls mein Gefühl, hat man sich an die neue Lage angepasst und der Not gehorchend damit arrangiert.
Wie ging es Schule und Kitas? Wie wollen Sie ins neue Schuljahr starten?
In den Schulen hieß es schnell und unbürokratisch auf Homeschooling umzustellen. Als Schulträger hat die Gemeinde Gerstetten hier wo es möglich war unterstützt. Hinsichtlich der Notbetreuung in Kindergärten und Schulen hat die Gemeindeverwaltung in enger Zusammenarbeit mit den Schulleiterinnen und Schulleitern sowie den Erzieherinnen kurzfristig eine Notbetreuung organisiert. Rückblickend betrachtet war die Einrichtung der Notbetreuung eine wichtige Maßnahme, um die Eltern in der sogenannten kritischen Infrastruktur weiter am Arbeitsplatz zu halten. Zu Beginn des Lockdowns war gerade diese Auslegung vom Gesetzgeber nicht hinreichend geklärt. Deshalb war es verständlicherweise nachvollziehbar, dass dies auch zu Unmut in der Elternschaft führte. Wir bei der Gemeinde Gerstetten waren immer bemüht, die Anforderungen der Corona-Verordnung und die Belange der Eltern in Einklang zu bringen. Die Schulen haben mit großen Anstrengungen ein gutes sowie aus meiner Sicht praktikables und tragfähiges Hygienekonzept erstellt um nach den Sommerferien wieder mit einem flächendeckenden Präsenzunterricht zu starten. Gleichzeitig hat die Gemeinde als Schulträger mithilfe von Landesmitteln 100 Tablets beschafft, die im Falle nochmaliger Einschränkungen von den Schulen an Schüler ausgegeben werden können, die kein privates Endgerät zur Verfügung haben. Ungleich schwieriger gestaltet sich die Einhaltung der notwendigen Hygieneregelungen in den Kindergärten und Kindertagesstätten. Durch die konsequente Trennung von Gruppen soll versucht werden, das Ausmaß eines möglichen Infektionsgeschehens möglichst klein zu halten.
Welche Ziele verfolgen Sie hinsichtlich Corona derzeit?
Die Gemeinde Gerstetten war vom ersten Tag der Corona-Pandemie eng in den Krisenstab im Landratsamt Heidenheim eingebunden. Maßnahmen wurden und werden in Abstimmung mit den weiteren kreisangehörigen Städten und Gemeinden und dem Landratsamt Heidenheim bzw. dem Gesundheitsamt getroffen. Speziell auf Gerstetten zugeschnittene, über die Verordnungen des Landes Baden-Württemberg hinausgehende Maßnahmen halte ich nicht für notwendig und zielführend. 2. Wie entwickelt sich Gerstetten mit seinen Teilorten derzeit infrastrukturell?
Was bietet die Gemeinde Gerstetten ihren Bürgerinnen und Bürgern am Heimatort?
Der Hauptort Gerstetten, mit seinen Teilorten, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem bedeutenden Unterzentrum zwischen den Städten Ulm, Heidenheim und Geislingen entwickelt. Unseren Bürgerinnen und Bürgern bieten wir Bildung und Betreuung von der Kinderkrippe bis hin zum mittleren Bildungsabschluss am Bildungszentrum Gerstetter Alb an. Bei den Gewerbetreibenden vor Ort sind nicht nur die Produkte des alltäglichen Bedarfs zu erwerben, sondern in den vielen Fachgeschäften auch viele darüberhinausgehende Dinge. Doch in Gerstetten kann man nicht nur wohnen, ein vielfältiger Mix an Gewerbetreibenden, Handwerksbetrieben und soliden mittelständischen Betrieben bieten eine Vielzahl von Arbeitsplätzen. Nicht zuletzt das rege Vereinsleben und die vielen ehrenamtlich Engagierten machen Gerstetten zu einer liebens- und lebenswerten Gemeinde.
Wie sind die Teilorte ausgestattet?
Alle Teilorte haben einen Kindergarten sowie Kleinkindbetreuung und Dettingen, Heldenfingen und Gussenstadt gibt es jeweils eine Grundschule. Jeder Teilort hat eine Mehrzweckhalle und in allen Ortschaften gibt es die Möglichkeit, zumindest in kleinerem Umfang, die Dinge des täglichen Bedarfs zu erwerben.
Welche Vorzüge besitzt Gerstetten?
Gerstetten hat, wie gerade geschildert, eine gute Infrastruktur und hat mit seiner Naturnähe, der Heidelandschaft und den Trockentälern, viele kleine Naherholungsgebiete direkt vor der Tür. -Was macht Gerstetten als Wohnort attraktiv? Schöne landschaftliche Lage, tolle dörfliche Gemeinschaft mit vielen Angeboten, sei es in Vereinen oder von den Kulturschaffenden, ländlich geprägt aber mit aller notwendiger Infrastruktur ausgestattet. Aber auch verkehrstechnisch gut gelegen. Gute Autobahnanbindung, inzwischen auch eine verbesserte ÖPNV Anbindung nach Heidenheim und über das neu geschaffene Ruftaxi über Geislingen nach Stuttgart.
Warum ist der Ort als wirtschaftlicher Standort interessant?
Viele Fachkräfte vor Ort. Gute Autobahnanbindung, insbesondere in Dettingen und dort auch Nähe zu Heidenheim und Ulm
Welche neuen Spieler etablieren sich gerade in Gerstetten als Arbeitgeber?
In den letzten Jahren haben wir den Fokus darauf gelegt, ortsansässigen Unternehmen Erweiterungsmöglichkeiten zu schaffen. zwissTEX hat die Firmen Gertex und Zoeppritex vereinigt und in Heldenfingen ein neues Werk gebaut. Eine Investition in den Standort Gerstetten über die wir froh und dankbar sind. Ebenfalls erweiterter Husquvarna aktuell seinen Betrieb am Standort Heuchlingen. Ebenfalls hat die Infitec GmbH, einer der führenden Hersteller von professionellen 3D-Brillen, seinen Hauptsitz von Ulm nach Gerstetten verlegt und in Gerstetten in der Ulmer Straße nun Verwaltung, Vertrieb und Produktion am Standort Gerstetten vereint. Insbesondere in Gussenstadt haben sich im dortigen Gewerberbegebiet Eichholz Ost zahlreiche kleinere Betriebe in den letzten Jahren angesiedelt
Welche stehen in Aussicht? Gibt es Wunsch-Partner?
Gerstetten ist immer ein interessanter Gewerbestandort. Wir sind bemüht weitere Gewerbeflächen zu schaffen und insbesondere den Bestandsbetrieben Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten, um beispielsweise mit anderen Unternehmensteilen in Gerstetten anzusiedeln. Aber über aktuelle Anfragen und Entwicklungen kann und darf ich leider keine Auskunft geben.
Wie ist Kultur und Naherholung in Gerstetten derzeit aufgestellt?
Die Kultur ist mit unserem Vereinen und durch den überregional bekannten Kultuhof in Erpfenhausen sehr gut aufgestellt. Ein besonderes Highlight ist natürlich das TRINA-Orchestra, dass aus Musikerinnen und Musikern der Partnerstädte Gerstetten, Cebazat (Frankreich) und Pilisvörösvar (Ungarn) besteht und jährlich wechselnd in einer der Partnerstädte stattfindet. In diesem Jahr erhält das TRINA-Orchestra den "Colours of Europe Award", worauf wir besonders stolz sind. Hier brauchen wir uns vor größeren Städten und Gemeinden nicht zu verstecken. Im Bereich der Naherholung sind wir in das landkreisweite Konzepte eigebunden und so konnten in den letzten Jahren zahlreiche neue Wander- und Radwanderwege ausgewiesen werden. Als Gemeinde betreiben wir in Gerstetten das Riff- und Eisenbahnmuseum. Ein weiteres Highlight ist die historische Lokalbahn, die von den Ulmer Eisenbahnfreunden betrieben wird. Der Ortsteil Gussenstadt bietet mit dem Heimatmuseum im Ursula-Stift das älteste seiner Art in Württemberg. 
Welche Bauaktivitäten konnte die Gemeinde im Jahr 2020 realisieren? Welche Aktivitäten sind gerade aktuell?
Wir sind gerade mitten in der Planung für den Neubau einer Mehrzweckhalle in Gussenstadt mit integriertem dreizügigem Kindergarten. Ebenfalls in der Planungsphase befindet sich ein Rettungszentrum für den Hauptort Gerstetten. Hier soll am Ortseingang von Heidenheim kommend ein Gebäude entstehen, dass Feuerwehr, dem Einsatzwagen des DRK sowie der Polizei ein gemeinsames Dach bietet. In Heldenfingen und Dettingen befinden wir uns in der Planung für neue Wohnbaugebiete und auch in Gerstetten soll am Wasserturm ein Wohnbaugebiet in bester Lage entstehen. Innerörtliche wartet das Areal der ehemaligen Druckerei Ott- und Zimmermann sowie eine 7.000 m² große Grundstücksfläche auf ihre Entwicklung. Neue Gewerbeflächen möchten wir in Gerstetten angrenzend an die Umgehungsstraße nach Gussenstadt entwickeln. Breitbandausbau: Ausbau Gewerbegebiete Gerstetten und Dettingen mit Glasfaser
Was konnte 2020 realisiert werden? 
Sanierung Asphalt: Waldfriedhof, Gemeindeverbindungsstraße nach Rüblingen, Gemeindeverbindungsstraße zwischen Heuchstetten und Söhnstetten, Wege im Friedhof Dettingen, Heuchlinger Str. in Heldenfingen - Neubau RÜB Gussenstadt - Waldkindergarten - Einbau KiGa-Gruppe im Alten Schulhaus - Dorfplatz Heuchlingen im Bereich Dorfladen / Hungerbrunnenhalle wird gerade umgesetzt
Welche baulichen Planungen stehen im nächsten Jahr an?
Siehe oben, darüber hinaus soll ein Wohnbaugebiet in Heuchlingen sowie ein weiteres Wohnbaugebiet in Gerstetten entwickelt werden. Umgestaltung des Schulhofs am Bildungszentrum in Gerstetten, Planung der Sanierung ehem. Hauptschulgebäude am Bildungszentrum und Digitalisierung unserer Schulen. In Dettingen soll im Bereich Heinzenwiesen an der Mühlstraße ein Gesundheitszentrum mit betreutem Wohnen und ggf. einem Pflegeheim entwickelt werden.
Welche Ziele baulicher Art möchten Sie in Ihrer Amtszeit in Zukunft realisieren?
Neubau der Mehrzweckhalle mit Kindergarten in Gussenstadt, Neubau Rettungszentrum Gerstetten, Gesundheitszentrum Dettingen, Sanierungen im Bereich Schule
Welche Ziele streben Sie für die Gemeinde an? Was braucht Gerstetten derzeit am dringendsten?
Neubau des Kindergarten Gussenstadt mit Mehrzweckhalle, da der Zustand im Interimskindergarten in den Container nicht lange tragbar ist. -Wo sehen Sie die Gemeinde Gerstetten in 10 Jahren? Attraktive Wohngemeinde, mit einem starken örtlichen Gewerbe und einem regen Vereinsleben.
Wie sieht das ideale Gerstetten aus Ihrer Sicht aus?
Siehe Gemeinde Gerstetten in 10 Jahren.
Was schätzen Sie persönlich an der Gemeinde Gerstetten? Was wünschen Sie sich für die Bürgerinnen und Bürgern?
Schöne Ortschaften, die sich trotz aller Entwicklungen ihren ursprünglichen und dörflichen Charakter bewahrt haben. Mit vielen Ehrenamtlichen und einem aufgestellten Gewerbe und einem starken Mittelstand. In der aktuellen Situation vor allem beste Gesundheit.


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