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Vergiftungsunfälle: Die unterschätzte Gefahr für Kinder

Die häufigsten Vergiftungen im Kindesalter geschehen zuhause. Im Kreis Heidenheim sind die Zahlen betroffener Kinder während der Corona-Pandemie stark gesunken.
VORSICHT GIFTIG: Dass der Fliegenpilz als vielleicht bekanntester Giftpilz ungenießbar ist, weiß doch eigentlich jedes Kind. Foto: AOK-Mediendienst

VORSICHT GIFTIG: Dass der Fliegenpilz als vielleicht bekanntester Giftpilz ungenießbar ist, weiß doch eigentlich jedes Kind. Foto: AOK-Mediendienst

Im Landkreis Heidenheim waren im Jahr 2021 47 AOK-versicherte Kinder bis 14 Jahren aufgrund einer Vergiftung in ärztlicher Behandlung, 2017 lag die Zahl noch bei 91. Das entspricht einem Rückgang von knapp 40 Prozent. Ein Grund dafür könnte sein, dass Eltern in der Pandemie mehr zu Hause waren und deshalb besser auf die Kinder Acht geben konnten. Verschlucken von Gegenständen, Vergiftungen und Verätzungen zählen zu den häufigsten Unfällen bei Kindern informiert Dr. med. Ralph Bier, Mediziner bei der AOK Baden-Württemberg.

Zu Vergiftungsunfällen kommt es laut dem Mediziner häufig, weil Eltern gerade bei Kleinkindern die Neugier und den Unternehmungsgeist von Kindern unterschätzen. Gleiches gelte für die Fähigkeit, durch Klettern an scheinbar unerreichbare Gegenstände und Stoffe zu gelangen, insbesondere wenn sie durch ihr Aussehen, ihre Form oder Farbe spannend und verlockend wirken. Deshalb sollte altersgerecht und wiederholt auf entsprechende Gefahren hingewiesen werden.

Anzeichen für Vergiftungen können Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit, Unwohlsein bis hin zu Bewusstlosigkeit und auch ein Herz-Kreislauf-Stillstand sein. Wichtig zu wissen ist, dass Vergiftungen auch mit Zeitverzug auftreten können. So verursachen manche Giftpflanzen erst nach mehr als 24 Stunden erste Vergiftungsanzeichen, warnt Dr. Bier.

Um die Risiken für eine Vergiftung bei Kindern zu senken, rät der AOK-Arzt dazu, Putz- und Reinigungsmittel sowie andere giftige Stoffe wie zum Beispiel Lampenöle kindersicher in Oberschränken aufzubewahren. Außerdem sollten Arzneimittel am besten in einer abschließbaren Hausapotheke gelagert werden. Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Risiko für Vergiftungen stellt Nikotin dar. Deshalb sollten nikotinhaltige Produkte und auch volle Aschenbecher außer Reichweite von Kindern aufbewahrt werden, so Dr. Bier. Ebenso sollten Giftpflanzen in Haus und Garten durch ungiftige Zier- oder Nutzpflanzen ersetzt werden.

Besteht der Verdacht einer Vergiftung bei einem Kind, gilt es schnellstmöglich den Rettungsdienst 112 und danach die Vergiftungs-Informationszentrale Freiburg unter 0761 19240 anzurufen, informiert der AOK-Arzt. Vorhandene Giftreste oder die Verpackung sollten sichergestellt werden. Sie können den Rettungskräften und Ärzten wichtige Hinweise für die Behandlung geben.

Für die Hausapotheke im Vergiftungsfall empfiehlt Dr. Bier folgende Medikamente und Materialien: Entblähungstropfen mit Wirkstoff Dimeticon oder Simeticon, medizinische Kohle in Pulverform, Schmerzmittel in Form von Saft und Zäpfchen, Gel zur Therapie von Insektenstichen (Antihistaminikum), Mittel zur Wunddesinfektion sowie Pflaster und steriles Verbandsmaterial.


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