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Beispielhaft für die Gefährdung der Fische

Der Flussbarsch wurde von Deutschem Angelfischer-verband, Verband Deutscher Sporttaucher und Gesellschaft für Ichthyologie zum Fisch des Jahres gewählt.
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ANSPRUCHS-, ABER NICHT BEDEUTUNGSLOS: Der hübsch gezeichnete Flussbarsch (Perca fluviatilis) war sogar entscheidend für die Entstehung fischereirechtlicher Regelungen. Foto: DAFV/Olaf Lindner

ANSPRUCHS-, ABER NICHT BEDEUTUNGSLOS: Der hübsch gezeichnete Flussbarsch (Perca fluviatilis) war sogar entscheidend für die Entstehung fischereirechtlicher Regelungen. Foto: DAFV/Olaf Lindner

Der Flussbarsch (Perca fluviatilis) ist eine in Fließ- und Stillgewässern Eurasiens weit verbreitete Art, die nur geringe Ansprüche an Struktur und Qualität ihrer Umgebung stellt. Barsche besiedeln auch schnell neu entstandene Gewässer wie Baggerseen oder Tagebaulöcher. Der Flussbarsch ist einer der farbenfroheren Fischarten in unseren Gewässern. Eine gelblich-grüne Grundfärbung mit schwarzen Querbinden, zwei Rückenflossen, von denen die erste stachelig ist und einen schwarzen Fleck am Ende hat, kennzeichnen die Art. Die weiteren Flossen sind rot. Als Jungfisch sind die Barsche oft im Schwarm unterwegs, später werden große Exemplare Einzelgänger.

Ihre Eier legen sie zwischen März und Juni in langen Laichbändern an Wasserpflanzen ab. Die Larven wachsen rasch und nehmen Zooplankton als Nahrung auf. Im Durchschnitt stellen Barsche bei einer Körperlänge von zwölf Zentimetern ihre Nahrungspräferenz auf Fische um. Interessanterweise nehmen manche Barsche sehr schnell Fischlarven als Nahrung an. Diese eiweißreiche Kost sorgt für ein schnelleres Wachstum, sodass es deutliche Größenunterschiede bei gleichaltrigen Individuen im Gewässer geben kann.

Flussbarsche können bis zu 60 Zentimeter lang und 4,8 Kilogramm schwer werden. Exemplare von mehr als 40 Zentimeter gelten als groß, solche über 50 Zentimeter sind sehr selten. Barsche haben eine große Bedeutung bei der Regulation der Nahrungskette in Gewässern: Bei einem guten Nahrungsangebot stellen sie schnell auf Fischnahrung um und dezimieren die Weißfischbrut. Ist das Angebot an Nährtieren gering, neigt auch der Barsch zur Kleinwüchsigkeit. Aufgrund ihrer geringen Ansprüche an ihren Lebensraum besiedeln Barsche schnell neu entstandene Gewässer wie Baggerseen. Auch in großen Schifffahrtskanälen stellen Barsche oft einen Großteil der Fischbiomasse.

 Stellvertretend steht der Flussbarsch für die Gefährdung unserer heimischen Fischfauna, was zunehmend auch häufigere Arten betrifft. Die extremen Dürreperioden der letzten Jahre haben viele kleinere Bäche und Teiche austrocknen lassen, Phasen mit viel zu hohen Wassertemperaturen und dadurch bedingtem Sauerstoffmangel werden häufiger. Besonders über die Dokumentation des Vorkommens häufiger und auch von Laien gut bestimmbaren Arten wie eben dem Flussbarsch können wichtige Daten zum Biodiversitätswandel erhoben werden. Flussbarsche sind aufgrund ihres grätenarmen, festen Fleisches beliebt als Speisefisch und haben eine große Bedeutung als Zielfisch in der Angelfischerei. Sie lassen sich auch von der beruflichen Binnenfischerei gut vermarkten.

Historisch betrachtet hat der Flussbarsch Bedeutung für die Entstehung von fischereirechtlichen Regelungen: Am Bodensee fiel Ende des 18. Jahrhunderts auf, dass die Bestände stark abgenommen hatten, was unter anderem darauf zurückgeführt wurde, dass zu viele Jungfische gefangen und als so genannter „Hürling“ verkauft wurden. Um die Bestände zu schonen, wurden im Rahmen der „Bregenzer Übereinkunft“ von 1893 Schonzeiten und Schonmaße für einzelne Fischarten festgesetzt. Die Bregenzer Übereinkunft ist der älteste bekannte internationale Fischerei-Vertrag, der heute noch gültig ist.


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